wenn (H)einer eine Reise macht ...
"Tagebuch" einer Motorrad-Tour durch die Türkei.


Ich freue mich jederzeit unterwegs über Rückmeldungen oder Kommentare an:
kurdistan2011@gmx.de


Teil XI - Shit happens at last - how goin' home?
ed iss doch alles jod jejange
von
Alexandropoulis nach Köln - 16.10. bis 21.10.

15.10., 14:00
Da fährt man unkomplizierte 5000 Motorrad-Kilometer auf einem anderen Kontinent herum - und kaum zurück beginnen im heimischen, krisengebeutelten Euroland Hellas die Probleme. Zwar hatte ich ein Rückticket für die Fähre Igoumenitsa - Ancona mit "Camping-on-board" gebucht und bezahlt, den Termin jedoch offen gehalten, da ich ja nicht wissen konnte, wann ich die Tour beenden würde - und das war der Fehler. Vor Ende nächster Woche gibt es laut mehrfach tel. teuer eingeholter Auskunft keinen freien Platz für mein "Bike-im-Bus" auf einer Fähre nach Ancona oder Venedig: die Griechen bestreiken die Fähren am Montag und Dienstag! Keine Chance!
Jetzt könnte man meinen: Shit happens - einfach den "Urlaub verlängern" - oder "der Weg ist das Ziel" - ich habe doch Zeit ... blahblahblah ...
Aber bei gemessenen 10 grad und bedecktem Himmel, auis dem es immer wieder mal regnet, da kann mich keiner mehr ins selbige (mit 2e und ohne h) locken und das Frieren macht mir dann zuhause eher Spaß, eingemummelt in einer warmen sauberen Bettdecke und neben sich ... die Fantasie könnte jetzt mit mir durchgehen, darum setze ich hier nicht fort.

So, was ist zu tun: nach allen Recherchen scheint mir die Balkanroute die beste Alternativ-Lösung zu sein.
Über Thessaloniki, Skopje, Nis, Belgrad, Budapest, Wien usw. Das kostet Maut, vor allem für Vans mit > 1,30 m Höhe über der Vorderachse, und für > 2500 km Dieseltreibstoff, aber es scheint mir besser als kurvige Straßen entlang der Küste über Albanien und Kroatien mit einem HP2-belasteten, schaukelnden Gefährt.

Wer gute Ideen für Übernachtungs-Stellplätze entlang des ehemaligen Autoput (z.B. in der Gegend von Belgrad) hat, der möge sich gerne melden! Ich bin offen für jegliche Anregungen; denn den Autoput bin ich zuletzt in den 70-er Jahren mit dem Käfer gefahren. Wie der jetzt ausgebaut ist und welche Route die beste/billigste/schnellste ist (über Kroatien/Slowenien oder über Ungarn?), das weiß ich nicht - wer von euch kennt sich da aus???


15.10., 20:00
Die Suche nach alternativen Routen geht nun doch noch weiter, da mir der Weg über die LKW-Transitroute durch Serbien weiterhin unsympathisch bleibt. Alternative Fähren gehen von Bar (Montenegro) oder Durres (Albanien) nach Ancona, kosten mich aber min. 200 Euro extra und eine verbindliche Auskunft übers Internet gestaltet sich bei sehr wackliger Verbindung ins Netz hier am Platz schwierig. Ich bin jetzt geneigt, doch über MK (Mazedonien) und AL (Albanien) und dann ggfs. weiter die schönere, aber langsame Route an der Adria entlang zu wählen. Allerdings kann mir bisher niemand sicher sagen, dass es auf dieser Route keine Probleme gibt mit dem Transit des Motorrads im Bus, also 2 Fahrzeuge auf eine Person angemeldet einzuführen bzw. durchzuführen - in der Türkei wäre dies ja unmöglich gewesen, und kaum einer wusste das vorher!
Also, wer mehr weiß oder in Erfahrung bringen kann, bitte melden! Ich komme hier derzeit mit Internetrecherchen nicht weiter!


16.10., 20:00
Sitze hier in meinem Bus zwischen Gepäck, Geschirr, Spaghetti Bolognese, einem Mythos-Bier, dem Motorrad und anderem Gerödel auf dem nach hinten gedrehten Beifahrer-Sitz - die Beine auf der Spüle aufgeschlagen - und bemühe mich, die entstandenen Eindrücke und Entscheidungen von heute wiederzugeben.

Heute morgen packte ich nun meine HP2 wieder in den Bus - ausgepackt wurde sie vor seit 3,5 Wochen an gleicher Stelle - und es hießt mal wieder Abschied nehmen, diesmal von dem Campingplatz, der sowohl Ausgangspunkt wie Endpunkt meiner Rundreise durch die Türkei war und der mir für einige Tage einen guten Platz geboten hatte, direkt am Meer - nur das Wetter hätte echt besser sein dürfen. Heute morgen waren es 7 grad, aber kein Regen! Der Himmel war bedeckt und sah so aus, als wolle er das in den nächsten Stunden auch nicht ändern. Meine Entscheidung, über Belgrad die angebliche Horror-Tour inmitten der LKW-Kolonnen zu nehmen, war in der Nacht gereift. Doch wie so oft; es kommt dann doch anders, als man denkt.

An der Rezeption zahle ich meine 2 Tage Camping und die 3 Wochen Bus-Parken und schildere dem freundlichen Campingplatzpächter (seine Frau ist eine super nette Österreicherin, also spricht bzw. versteht er ganz gut deutsch) mein Probleem mit der Frage, ob er noch einmal für mich bei der Reederei der Superfast-ferry in Igoumenitsa anrufen könne, vielleicht hat sich ja doch noch was ergeben. In total stoischer Ruhe mit einem grandiosen griechischen Bariton (Ketten-Raucher!) fragt er bei der von mir angegebenen Tel.-Nr. nach und reicht mir dir deutschsprechende Frau der Reederei, die mir mitteilt, sie habe wahrscheinlich noch einen Platz heute abend, aber kein "Camping-on-bord". Nee - ich glaube es nicht, aber sie wolle in 5 Minuten zurückrufen! Spannende 7 Minuten später wusste ich dann, dass ich meiner Ungläubigkeit vertrauen kann - war nix! Aber es ergab sich nach langem Verhandeln, dass sie am Tag nach dem Streikende, also am Mittwochabend, einen "Camping-on-bord"-Platz für mich absichern könne! Diesmal wollte ich gläubig werden und vertraute dem gesprochenen Wort. Mein Ticket muss ich nun spätestens Mittwoch-Nachmittag bei der Reederei in Igoumenitsa umtauschen - bin gespannt, ob mich mein Glaube diesmal dann nicht enttäuscht.

Vielen Dank an diejenigen, die mir inzwischen Tips für eine alternative Route per mail gegeben haben, besonders an Sigi und auch an Monikara... (hallo Moni, schön, dass dich mein Blog interessiert!).

Da ich nun unverhofft drei "freie" Tage dazu gewonnen hatte, und die grobe Richtung (Südwest) feststand, schaute ich noch einmal ins Regenradar und wählte eine Route etwas mehr nördlich, da wo der Himmel von grau nach blau wechseln sollte. Da ich Griechenland bei der Hinfahrt nur als nacktes Transitland genutzt hatte und zuletzt in den 70-er Jahren ausführlichst besucht hatte, dachte ich mir die folgende Route aus, um noch einmal ein paar "Augenblicke" zu gewinnen:
Zunächst erst mal straight gen West - und als sich vor Thessaloniki im Norden die ersten Wolkenlücken auftaten, steuerte ich genau diese an - Richtung Albanien: Die Ortsnamen Edessa und Kasstoria klingen schon gut, ohne zu wissen, was es da gibt: schließlich habe ich außer meinem Navi keinerlei Unterlagen/Reiseführer zu Greece dabei. Die ganze Fahrt nordwestlich von Saloniki begleiteten mich Sonnenstrahlen. Während Edessa außer einem angeblich tollen Wasserfall (den ich dann aber nur schwach von oben fand) und seiner exponierten Hochlage auf einer Felsterasse wohl nicht viel zu bieten hat - außer ein paar Kirchen, die ich dann auch gleich abknipsen musste - ist Kastoria, das ich als heutiges Etappenziel zur Übernachtung (im Bus, überr dem Mopped) wählte, zehnmal interessanter.



Die Fahrt von Edessa nach Kastoria führt zunehmend durch die Berge bis auf 1200 m und bietet im Abendlicht wunderbare Ausblicke (die üblicherweise auf den 400-Pixel-breiten Bildern nicht rüberkommen!)



Kastoria liegt am bzw.im See auf einer kleinen felsigen Berghalbinsel, die man komplett (später nur noch in einer Richtung) auf einer sehr schmalen Straße, die dicht am See entlang führt, umfahren kann. Diese Fahrt um die Halbinsel herum ist ein Erlebnis für sich, und danach nochmal in enge steile Altstadtgassen mit dem Bus und dem schaukelnden Mopped drinne, engste und steile Serpentinen fahren, wow, das ist Spaß für mich!



Nach dieser meiner Art von Stadtbummel habe ich mir dann ein Plätzchen am See ausgesucht, wo ich nun nach dem Verzehr der beschriebenen Spaghetti und dem sagenumwobenen Bier ("Mythos") jnmitten meines mobilen Durcheinander das Netbook bearbeite und ganz allmählich müde werde.

Ausblick:
Morgen geht es südlich nach Meteora - zuletzt gesehen 1978 (?) - und dann auf eine
letzte Campingstation in Igoumenitsa vor dem hoffentlich gesicherten "Camping-on-bord" auf der Nachtroute nach Ancona.


17.10., 09:00
Hier am See von Kastoria habe ich mit meinem ALDI-Stick und dem Internet_Europa-Paket (4,99 Euro für 5 Tage incl. 60 MB, natürlich aktuell gestern online aufgeladen) gute Konnektion.
Es ist ja überall recht kalt geworden, vor allem in der Nacht, und das habe ich auch heute nacht zu spüren bekommen. Das "Problem" ist: ich muss im stoffummantelten Bus-Oberstübchen schlafen (das Mopped hat den wärmeren Platz!), und da zieht es zwangsläufig. Heute nacht hatte ich hier am See nur 1,5 grad und dazu tobte die ganze Nacht über ein heftig böiger Wind übers Wasser, so dass das Aufstelldach trotz korrekter Positionierung im Wind heftigst flatterte und sehr laut war. Daher stellte ich mich schließlich weg vom See windgeschützt hinter eine Halle. Dennoch blieb es recht "frisch". Zwar gibt es für den "California" eine "Mütze" übers aufgestellte Dach, aber es ist doch ein wenig umständlich, diese jede Nacht drüberzuziehen und morgens wieder zu verstauen - und bei Regen gibt es damit weitere Probleme!
Also habe ich mich "oben" in meinen warmen Schlafsack gelegt und die Standheizungsluft so gut wie möglich mit einem "Leitblech" nach oben geführt. So war es dann erträglich warm und wäre gut auszuhalten gewesen, wenn nicht 10 meter neben mir ein großes, aufstehendes Blechtor an einer anderen Baracke vom Sturm hin und her geschlagen und mich trotz Ohrstöpsel a bissl in der Nachtruhe gestört hätte .
Dafür entschädigt mich der Ausblick am Morgen auf die Stadt am See...


Nach einem guten griechisch-türkischen Frühstück mit Schafskäse, Tomaten, griechischem Yoghurt (10% - nicht am falschen Ende sparen!) sowie zwei fetten Tassen Kaffee aus meiner "Bialetti" (alle Zutaten - auch der Espresso-Kaffee (für den KING: der von JACOBS ist gar nicht so übel) - übrigens heimatgerecht aus dem LIDL um die Ecke (die anderen Brüder gibts hier nirgends) bin ich gleich startbereit. Die Körperpflege muss heute ein wenig kürzer kommen - wird nachgeholt!


17.10., 22:00 - Danke Hellas, für Euren Fähren-Streik...



... denn ohne den Streik der Griechen hätte ich alles das jetzt nicht mehr gesehen, was ich heute genießen durfte. Vor 36 Jahren war ich schon einmal hier gewesen, aber die Bilder in meinem Kopf waren sehr unscharf geworden und verblichen. Und nun darf ich das wieder erleben, mit frischen Farben bei einer traumhaft klaren Sicht - und das auf dem Superbike!


Eigentlich hatte ich das 2Rad und die Klamotten schon fest verpackt gewähnt und war des Fahrens satt. Doch spätestens beim Anblick der Felsen von Meteora - zuvor schon der dorthin führenden kleinen, kurvigen Straßßen - und alles bei klarster Sicht, da stand fest: dieses Gelände will auf 2Rädern erfahren werden. Das Auspacken und Besteigen am Zeltplatz unterhalb der Felsen dauerte keine 30 minuten und ich cruiste über enge Kurven bei strahlend kühler Luft zwischen den Klosterfelsen hindurch...

Meteora - ein 2. Kappadokien? --- Das Kloster Agios Stefanos - ein 2. Ishak Pasha Palast?


ich will und kann es heute abend weder beschreiben noch beantworten, daher nur die Bilder - wer in Hellas war, der kennt es!


beim Verlassen der Autobahn nach Ionnina nach Süden geht der Blick noch einmal auf die tief verschneiten, nordgriechischen bzw. albanischen Berge -- na ja ...









ich habe mir heute nur das größte der Klöster (Metamorphosis) von innen angesehen, andere kommen morgen dran!

gigantische Ausblicke -- der Zeltplatz unterhalb der Meteora-Felsen

18.10.
Die Nacht war erneut kalt und es war gut, unten im Bus zu schlafen und das "Penthouse" schließen zu können.
Leider sind Alex und Chriss, mit denen ich gestern abend hier am Platz lecker essen war, heute morgen schon so früh abgereist, dass wir unsere Adressen nicht mehr austauschen konnten. Alex und Chriss, beide 33 Jahre jung, waren ein halbes Jahr mit einem ziemlich geräumigen, selbst umgebauten "Wohnmobil" auf der Basis eines alten LT 40 (6 Zylinder, 2400 ccm, 100 PS, ehemaliger Rohrtransporter???) bis zum Baikal-See unterwegs gewesen - quer durch Russland und auf dem Rückweg mit Stationen in der Südtürkei. In der Mongolei gab es mit dem "Ungetüm" ohne 4 wheels-drive dann logistische offroad-Probleme, so dass sie eine ursprünglich geplante Route wieder aufgeben mussten. Jedenfalls hatten wir uns eine Menge zu erzählen.

Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück bereite ich gegen 11:00 meine HP2 für einen letzten Ausritt in Griechenland vor. Ich will die Straßen um Meteora noch einmal mit der Videokamera am Bike abfahren. An den Klöstern treffe ich heute wieder auf einige Touri-Busse und im "Nonnenkloster" staut sich der Touri-Strom deutlich, so dass ich mich leicht unwohl zu fühlen beginne. Diesmal sind es keine knipswütigen Japaner, sondern schrecklich laut drängelnde russischsprechende Frauen, die im Touri-Shop in Scharen anstehen, um billige Ikonen zu erwerben. Da ich oberflächlich wahrnehme, dass sich die Klöster von innen nicht wesentlich in ihrem Charakter unterscheiden, beschließe ich, das Nonnen-Monastery nicht ganz so schnell über ca. 300 Stufen wieder zu verlassen, wie ich es abwärts angesteuert habe. Mit Goreinlets-versehenen Klamotten bleibt die Haut da nicht ganz trocken.
Der Ausblick vom hochgelegenen Teil der "Klösterstrecke" auf die schneebedeckten Bergzüge im Norden (es ist tatsächlich der Winter eingekehrt - auch in Makedonien und Albanien) ist wieder grandios. Im rechten Bild noch einmal der Blick aufs Nonnenkloster.


Ausblicke vom Nonnenkloster


nochmal der "Augenblick" am "Isha Pashak-Palast II" vorbei ins Tal von Kastraki -- "Kirchlein" am Wegesrand

Verzeihung: die Bilder wiederholen sich - wertet dies bitte nicht als Ausdruck meiiner Verwirrtheit, sondern eher meiner Begeisterung über die herrlichen Aussichten.

Am frühen Nachmittag schließe ich die kleine Rundtour ab mit einem Essen ganz nach meinem Geschmack: Moussaka, dazu ein Gläschen Retzina und anschließend ein griechischer Kaffee.
Dann noch einkaufen fürs morgige "Camping-on-bord" (hoffentlich schmeißt der angesagte Generalstreik nicht wieder alles um!) und den Tank der HP2 randvoll füllen - dann riecht es im Auto weniger nach Benzin als wenn er halb oder ganz leer wäre.

18.10., 21:00
shit happens heavy this time!
wenn ich das hier richtig verstehe, muss ich wegen dem Generalstreik min. weitere 3 Tage auf eine Fährverbindung warten!

Due to the strike of Panhellenic Seamen Federation on 18th, 19th and 20th October 2011, please find below the schedules of our vessels:

18th October 2011
Patras-Igoumenitsa-Ancona will not operate
Ancona-Igoumenitsa-Patras normal schedule
Patras-Igoumenitsa-Bari will not operate
Bari-Igoumenitsa-Patras will not operate

19th October 2011
Patras-Igoumenitsa-Ancona will not operate
Ancona-Igoumenitsa-Patras will not operate
Patras-Igoumenitsa-Bari will not operate
Bari-Igoumenitsa-Patras normal schedule

20th October 2011
Patras-Igoumenitsa-Ancona will not operate
Ancona-Igoumenitsa-Patras normal schedule
Patras-Igoumenitsa-Bari will not operate
Bari-Igoumenitsa-Patras will not operate


Warum die Griechen die Urlauber rein - dann aber nicht wieder raus schiffen, bleibt mir ein Rätsel
Wahrscheinlich holen die alle Schiffe nach Griechenland, damit dann nach dem Streik mehr als sonst bereit stehen!???
Das wird sicher ein riesen Chaos, auf das ich besser nicht noch einmal warten sollte, aber ...
Schei... ist nur, bei dieser Saukälte über den Balkan fahren zu müssen und nur im zugigen Oberstübchen schlafen zu können.

...
die spinnen, die Griechen, die machen sich selbst immer mehr kaputt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


19.10. - die spinnen immer noch ... mehr
ejal wat och passeet - et wet opjeschrivve

Da ich so viele emails erhalte, die mir Mut machen, die Widrigkeiten zu überwinden, klappt es auch irgendwie:
also, die Griechen streiken weiter - aber immerhin erhielt ich eben eine email der Reederei, die mir mitteilt, was ich schon wusste: die für heute gebuchte Fähre geht nicht! Ich möge mich doch bitte tel. um einen anderen Termin bemühen! Toll, ich war eh schon auf dem Weg zurück von Südwesten nach Nordosten - mal eben 250 km gen Thessaloniki und dann jeraduss nach Norden zur Grenze nach Makedonien Richtung "Autoput" - zuletzt vor etwa 35 Jahren gefahren, als der "Put" noch keine "Bahn" war. Auf der Fahrt mache ich in den kurvigen Bergstrassen von Meteora nach Grevena nur 1 Foto, und das scheint mir bezeichnend für den derzeitigen Zustand von HELLAS: das Reh weiß nicht, wo der Bär hin will!


Es läuft zunächst super; denn die griechischen Autobahnen sind dank der EU-Förderung spitzenmässig ausgebaut und dank der Schläferei bzw. Streikerei der Griechen sind die vorbereiteten Toll-Stationen nicht besetzt bzw. noch nicht funktionstüchtig - Hellas, ein "Tollhaus" bzw. eins, das es noch werden möchte?

Meine zügige Fahrt "erfährt" (geil, wa?) einen jähen Stop bei der Ankunft in Evzoni, der Grenzstation, die gerade schläft, sorry: streikt. Komisch, die lassen die Leute rein und dann nicht mehr raus - und Athen versinkt im stinkenden Müll, wie mir an der Grenzstation ein in D gebürtiger Türke erzählt, der von Patras über Athen kam, weil er auch keine Fähre kriegen konnte.


Nach knapp 2 Stunden ließen sie dann ein paar Autos durch - und ich durfte dabei sein. Da die LKW gänzlich gestoppt werden, ist die weitere Fahrt über Skopje - hier zum Großteil noch Landstr. - ziemlich frei und ich komme wieder gut voran, bis mich eine makedonische Poizeistreife auf der "Bahn" anhält! Nein, ich war nicht zu schnell unterwegs, ich hatte kein Licht an - Pflicht auch am Tage in Makedonia: kostet 45 Euro, die ich an der nächsten Zahlstation in 3 km zu entrichten Habe (?) Daraufhin muss ich wohl so ein mitleidenwertses Gesicht gezogen haben, dass man mich wieder laufen, quatsch, fahren lässt.
Auch die serbische Grenzkontrolle verläuft unkompliziert, bei fragenden Blicken auf mein Bike im Bus, die ich nicht beachte, sondern lieber rasch weiterfahre!
So, nun mache ich Zwischenstation an einer modern ausgestatteten Raststätte etwa 200 km südlich von Belgrad und hoffe, morgen gut weiter zu kommen über Belgrad, Budapest und Wien. Diese Route hat den Vorteil, schneesicherer zu sein; denn es ist Schnee bis in die Täler vorhergesagt in den Ostalpen! Derweil koche ich mir zwischen Mopped und Gepäck meine Tortellinis und verschwinde gkeich ins Penthouse: heute nacht bleibt es frostsicher, trocken und sturmfrei! Und ne sturmfreie Bude wollte ich früher doch auch schon iimmer haben!
Und Empfang in ein (ungesichertes) W-LAN habe ich auch mal wieder - und das in Serbien an der "Bahn" - sonst könnte ich Euch jetzt nicht so zeitnah teilhaben lassen an meiner Tour durchs Tollhaus Europa!


20.10., 20:10
letzter BLOG-Eintrag von unterwegs

Nach einer kalten Nacht an einer sehr lärmigen "Autoput"-Raststätte in meinem inzwischen recht unaufgeräumten "mobile home" sitze ich nun im "Alt Wien" in St. Pölten, einer Pension (mit beheiztem Gastraum), die gerne noch den Charme ihres Namen versprühen möchte, was nicht so wirklich gelingt, wie ich meine. Das Zimmer ist simpel, die Wasserhähne schimmern goldig und das wars denn auch. Es ist die teuerste Stube meines gesamten Urlaubs: 56 Euro - aber St. Pölten ist "ausgebucht" (ich weiß echt nicht wieso!), und nach all dem gewollten Vagabundieren ist es mir wichtig, warm und etwas großzügiger untergebracht zu sein, als in den letzten Tagen. Mein Mopped schläft sicher auch gut ohne mich an seiner Seite - nun, so weit ist es schon gekommen, dass man sein Bike als Weibersatz betrachtet! (Nicht) schlimm - oder?
Heute morgen wecken mich verschiedentlich und recht früh wiederholt parkende Raststättenbesucher mit laut öffnenden und wiederholt zuschlagenden Autotüren, als stände ich darußen daneben. Da sind die Nachteile eines Penthouse mit Stoffdach: alles geht durch, besonders der Lärm. Und besonders schätze ich die Touri-Busse: die sind nicht nur zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs, die sind auch immer laut; entweder ihre Insaassen oder einfach nur der laufende Diesel neben meinem Aufstelldach!
Ok, ihr könnt also verstehen, dass ich mir heute nacht zum Abschluss meiner Tour mal etwas besonderes gönnen wollte: "Alt Wien" halt - den fehlenden Charme denke ich mir einfach und ich fühle mich wie der Kaiser von Wien. Was esse ich wohl? Hirschgulasch mit Spätzle natürlich! Und dazu ein - pardon: zwei - große Zwettler vom Fass!
Zur Fahrt:
Das waren 655 km gestern (von Meteora bis nördlich von Nis) und 860 km heute (von der "Schlafstelle" nördlich von Nis bis St.Pölten) durch insgesamt 5 Staaten: Griechenland, Makedonien, Serbien, Ungarn und Österreich. Die Fahrt verlief glatt und zügig, meist über gut ausgebaute Autobahnen, bis auf die Städte Belgrad und Budapest. Ich musste mitten durch Belgrad durch eine Baustelle - das kostete Zeit, und in Budapest gabs einen größeren Stau wegen eines VU auf der Gegenseite mitten auf der Brücke über die Donau. Sonst keine Probleme, auch nicht an den Grenzen! Nur an der Grenze zu Ungarn musste ich die Heckklappe öffnen! Durchsuchung? Weit gefehlt! Der junge Zöllner hatte meine HP2 entdeckt und wollte sie mal näher betrachten! Der erste (Zöllner) in diesem Urlaub, der dieses Superbike überhaupt kannte und der DIVA jenen Respekt "zollte" (geil, wa?), der ihr würdig ist.
An der Grenze zu Ungarn treffe ich auf Nils aus "Heide" bei Hamburg, der mit seiner F 800 GS seit 6 Wochen in Kroatien unterwegs ist und jetzt auch auf dem Heimweg über Budapest. Wir trinken Kaffee an der Tanke und tauschen uns aus. Nils war schon in Südamerika mit seiner BMW und macht mir diesbezüglich eine lange Nase. Ich ihm eine mit meiner Türkei-Tour!
Und jetzt noch - nicht nur für Sigi oder Detlev - ein paar Hinweise zur Türkei-Anfahrt (bz. -Rückfahrt) über den Balkan:
Ich habe heute (und gestern) die zwangsläufige Tour (Dank den Hellenen!) über Makedonien, Serbien, Ungarn und Österreich als sehr unkompliziert erlebt: schnell (allerdings auch ermüdend langweilig) und ohne Schikanen! Und noch ein paar Worte zur Maut:
1. alles lässt sich unkompliziert mit Kreditkarte an den Mautstellen bezahlen! 
2. sowohl in Makedonien als auch in Serbien muss ich - anders als von Sigi oder vom ADAC prophezeit - nur die Gebühren für normalen PKW/Motorrad bezahlen (entweder habe ich doch nicht > 1,30 m über der Vorderachse oder sie haben meine sofortige Ansage "Kategoria I" unwidersprochen angenommen!) So hat mich die Maut für das gesamte Serbien nur etwa 15 Euro gekostet, MK? was i nimmer, Ungarn 9 Euro und Österreich 10 Euro, dazu eine (günstige) Tankfüllung mehr, als ich über Italien gebraucht hätte. Das ist der Preis des Streiks - aber was hätte ich alles verpasst!

So, das ist der letzte aktuelle Eintrag in diesem BLOG von unterwegs. Wenn ich zuhause bin, wird "abgerechnet" - und ein erneutes, abschließendes Faazit geschlossen!
Außerdem werde ich die meisten Fotos durch Klick auf die 400-er Pixel-Bildchen aus diesem BLOG auf 1024-Pixel-Bilder vergrößern lassen - das bringt deutlich mehr ...

Anmerkung zum Schluss: 
in jedem Pupdorf in der Türkei hatte ich kostenlosen Internetzugang - hier im "Alt Wien" kann mir niemand helfen: die haben zwar einen W-Lan-Port, aber keiner kann mir den Netzwerkschlüssel nenen! Zurück im "alten" Europa!? - wie gut, dass ich auf meinen Handy-Port zurückgreifen kann - sind ja nur 31 KB!...

21.10., 18:30
Bin vor 2 Stunden wieder in meinem Heimatdorf bei Kölle angekommen. Alles lief bestens und vor allem schnell zum Schluss: keine Staus, keine Pannen!
Das waren insgesamt 5 Wochen und 2 Tage mit ca. 5.000 "Bus"-km und 5.100 Motorrad-km! 
Danke an alle und für alles, was mir mit so viel Glück und Fun auf allen Straßen und in allen besuchten Orten weitergeholfen hat.

bis die Tage
Heiner